Stilvolle Feier zum Abschied

41 Abiturienten der Regensburger Domspatzen schlossen die Schulausbildung ab.

Der Wolfgang-Saal des Gymnasiums der Regensburger Domspatzen ist an diesem Freitag bis auf den letzten möglichen Platz gefüllt. Wegen der Corona-Vorschriften müssen Abstände und Regeln eingehalten werden. Dennoch haben die Domspatzen unter diesen Bedingungen ihren Abiturienten einen feierlichen und emotionalen Abschied bereitet. Acht Jahre gemeinsam unterwegs, im Klassenzimmer, im Dom und auf den Bühnen der Welt. Das schweißt zusammen. Am Ende können dann auch die coolsten Abiturienten ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.  

Noch ein letztes Mal formieren sich die 41 Männerstimmen der Abschlussklasse im neuen Atrium der Domspatzen zum großen Chor. Sie singen „Nehmt Abschied, Brüder!“, die bekannte schottische Volksweise aus dem 18. Jahrhundert. Spätestens jetzt wird den „Ex-Domspatzen“ klar, wie intensiv die vergangenen Jahre doch waren und wie heimisch sie sich im „Kaff“ (so nennen die Schüler seit Jahrzehnten Schule und Internat) all die Jahre gefühlt hatten.

Nach dem festlichen Dankgottesdienst in St. Cäcilia begrüßte Schulleiterin Christine Lohse die Abiturienten und ihre Eltern im Wolfgang-Saal. Zu den Ehrengästen zählten Dompropst Dr. Franz Frühmorgen und Domdekan Johann Neumüller als Vertreter der Kirche. Der „am besten singende Abiturjahrgang der Welt“ inspirierte die Schulleiterin zu einer Reflexion über das Schöne im Leben und in der Musik. Sie motivierte die Absolventen, in das neue Leben zu starten, voller Lust, Freude, Musik und eben: Schönheit! Durch die „chorische Spitzenleistung“ haben die Domspatzen-Abiturienten ein besonderes Bildungspaket bekommen. Dieser „Schatz“ könne „zu einem erfüllten Lebensweg verhelfen“, sagte Lohse. Dazu wünschte sie Glück und Gottes Geleit.

Die Jahrgangsbesten mit Schulleiterin Christine Lohse (rechts) und Domkapellmeister Christian Heiß (links) (v.l.n.r.): Andreas Zistler (1,0), Julian Beyersdörfer (1,1), Paul Schappert (1,0), Max Neugirg (1.1) und Bruno Trautsch (1,0).

"Oase in Corona-Zeiten"

Für Domkapellmeister Christian Heiß waren die Abiturienten eine „Oase in Corona Zeiten“. Er erinnerte sich an die wenigen Auftritte im letzten Jahr und an die unendliche Dankbarkeit des Publikums, die in den Genuss öffentlicher Auftritte kommen durften. Aber nicht nur die letzten eineinhalb Jahre waren entscheidend für den scheidenden Jahrgang. Vom ersten Tag als Domspatz an bewegten die Absolventen die Menschen mit ihrem Gesang. Heiß wünschte den Abiturienten alles Gute und rief ihnen zu, dass die Musik eine Freundin sei, welche das Leben liebenswert mache.

Der „Musaikstein“ – neue Auszeichnung des Domchorvereins
Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der „Musaikstein“ vergeben. Der neue Preis des Vereins „Freunde des Regensburger Domchors“ zeichnet zukünftig Schüler aus, die sich in besonderer Weise um die Chorgemeinschaft und Qualität der Regensburger Domspatzen verdient gemacht haben. „Sie sind zu einem unverzichtbaren Musaikstein in der über 1000-jährigen Geschichte dieses Chores geworden“, sagte der Domkapellmeister in seiner Würdigung. Leon Deget und Kilian Niedermayr erhielten diesen Preis als erste. Neben 200 Euro gab es dazu für beide jeweils einen echten Stein aus der Regensburger Dombauhütte. Ein Stein, der womöglich einmal viele hundert Jahre im Dom verbaut war.

Für den Elternbeirat gratulierte Vorsitzende Petra Pfaffenheuser und ermutigte die Absolventen, die letzten Jahre als Erfahrungsschatz zu nutzen um auf dem „beruflichen und privaten Weg“ darauf zurückgreifen zu können. Sie sollen sich auf ihrem Weg nicht beirren lassen und „in die Höhe“ steigen, um an Hindernissen und Schwierigkeiten zu wachsen.

Den erstmalig vergebenen „Spatzenpreis“ erhielten Janik Atzenbeck (2.v.l.) und Johannes Neubauer (2.v.r.).

Ausgezeichnete Schüler
Einige besonders erfolgreiche Abiturienten ragten aus der insgesamt recht erfolgreichen Absolvia 2021 heraus. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verlieh Buchpreise und eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft an Bruno Trautsch, Jonathan Treffler, Lukas Gilch und Florentin Schleuß. Letztgenannter erhielt für seine hervorragende Seminararbeit auch den REWAG-Preis. Paul Schappert wurde für eine sehr gute Abiturleistung im Fach Wirtschaft mit dem Abiturpreis 2021 des Vereins für Sozialpolitik ausgezeichnet. Den Preis der Deutschen Mathematischen Vereinigung für die beste Leistung im Abitur 2021, verbunden mit einer einjährigen Mitgliedschaft und einem Buchpreis, bekam Abiturient Andreas Zistler. Stipendien von e-fellows.net gab es in diesem Jahr für die zehn besten Abiturienten: Paul Schappert, Bruno Trautsch, Andreas Zistler, Max Neugirg, Julian Beyersdörfer, Janik Atzenbeck, Lukas Gilch, Korbinian Neuert, Florentin Schleuß und Noah Walczuch. Dieses Stipendium umfasst einen kostenfreien Internetzugang, Gratis-Recherche in über 3000 Datenbanken, kostenlose Jahresabos besonderer Zeitschriften, Mentoren aus der Wirtschaft und exklusive Praktika.

Noah Walczuch ist Kandidat für die Begabtenstiftung „Cusanuswerk“. Um hierfür vorgeschlagen zu werden, braucht man sehr gute akademische Leistungen sowie Sozialkompetenzen, Engagement für die Gemeinschaft und eine deutlich erkennbare positive Einstellung zu den Werten des christlich-katholischen Glaubens.

Paul Schappert wurde von der Schule als Kandidat für die Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen. Hierfür werden Kandidaten ausgesucht, die sich nicht nur durch hervorragende akademische Leistungen auszeichnen, sondern auch durch Sozialkompetenzen, Vielseitigkeit, Engagement für die Gemeinschaft, „alles Schlüsselqualifikationen, die eine moderne Gesellschaft fordert“, sagte Wolfgang Judenmann, der als stellvertretender Schulleiter die Auszeichnungen vornahm.

Paul Schappert (2.v.r.) und Korbinian Neuert (2.v.l.) wurden von der Kai-Uwe-von-Hassel-Stiftung ausgezeichnet.

Kai-Uwe-von-Hassel-Preis
Fester Bestandteil der Abiturfeier bei den Domspatzen ist die Vergabe des mit 1000 Euro dotierten „Kai-Uwe-von-Hassel-Preises“, in diesem Jahr bereits zum 20. Mal verliehen. Dieser Hauptpreis ging an Paul Schappert. Den mit 500 Euro dotierten Förderpreis der Kai-Uwe-von Hassel-Stiftung ging an Korbinian Neuert. Beide Schüler zeichneten sich durch ein besonders hohes Engagement für die Schul- und Chorgemeinschaft aus.

Neu: Der Spatzenpreis
Ebenfalls zum ersten Mal vergeben wurde der Spatzenpreis. Dieser neue Preis der Stiftung Regensburger Domspatzen geht zukünftig an Schüler, die Ihre vielfältigen Talente in besonderem Maße zum Wohl der gesamten Schulgemeinschaft einsetzen und durch ihr Engagement und ihre Persönlichkeit wesentlich zum Zusammenhalt der Schulfamilie beitragen. Die ersten Preisträger in diesem Jahr waren sind Janik Atzenbeck und Johannes Neubauer.

Den erstmals vom Domchorverein vergebenen „Musaikstein“ erhielten Kilian Niedermayr (2.v.l.) und Leon Deget (2.v.r.).

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von den beiden Absolventen Philipp Plötz (Bariton) und Julian Beyersdörfer (Orgel/Klavier). Zu hören war außerdem das Blechbläserensemble, einstudiert von Dominik Glöbl und ein Vokalquartett der Q12 mit Kilian Niedermayr, Korbinian Neuert, Philipp Plötz und Johannes Neubauer. Zum Ende erklang als Überraschung die Motette „Denn er hat seinen Engeln“, in diesem Jahr wieder gesungen vom gesamten Chor der Regensburger Domspatzen, unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß; selbstverständlich unter freiem Himmel.

Foto: Jakov Wallbrecher/Domspatzen