Domkapellmeister gibt im Rotary Club Einblicke in die Welt der Domspatzen

Unter dem Motto „Der Jugend Zukunft geben!“ referierte Domkapellmeister Christian Heiß in Kitzingen auf Einladung des Rotary Clubs über das Domspatzen-Ausbildungsprogramm „Singen-Leben-Lernen“.  Es ist auch die Stadt, in der Hanns-Martin Schneidt geboren wurde, der mit den Domspatzen die Bachmotetten in den 70er Jahren einstudiert hatte. Musikalisch umrahmt wurde die Soiree, in der verschiedene Jugend-Projekte vorgestellt wurden, von Männerstimmen der Domspatzen, die den Nachmittag in der Synagoge mit „Cantate Domino“ von Giovanni Croce eröffneten.

Empathie als Erfolgsfaktor

„Ein ganz wesentlicher Faktor bei uns ist die Empathie. Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, Domspatzen auszubilden“, sagte Heiß. Eine der Kernaufgaben in der 1050-jährigen Tradition des Domchores ist die Liturgie, die bis heute mit regelmäßigen Domämtern gelebt wird. Insgesamt werden 370 Schüler, davon 85 Mädchen auf das Abitur vorbereitet. Die Domspatzen haben ein eigenes Gymnasium mit einem naturwissenschaftlich-technologischen und einem musischen Zweig.  Es versteht sich von selbst, dass die Musik im Mittelpunkt steht. Ob im Internat oder als Stadtschüler, die tägliche Probe zählt zum A und O bei einem der besten Knabenchöre der Welt. Dafür bilden Gymnasium und Internat eine Einheit auf dem Campus. „Wir hatten gerade einen Tag der offenen Tür, zu dem wir gut 100 Familien begrüßen durften“, sagt der Domkapellmeister mit ein wenig Stolz.

Bei Proben Gespür für die Qualität erarbeiten
Für die Aufnahme ist neben der gymnasialen Eignung ein kleiner musikalischer Test vorgesehen. Es braucht neben einer guten Musikalität auch ein gutes Gehör und ein gesundes Sozialverhalten. „Für mich sind Motivation und Empathie des Chorleiters entscheidende Erfolgsfaktoren“, sagte Heiß. In den vier Chören, drei Knabenchöre und ein Mädchenchor, müsse die Atmosphäre stimmen. Dabei sei es wichtig, mit großer Empathie zu führen und zu fordern. „Ziel sei es immer, ein Gespür für Qualität zu erarbeiten“, sagte Heiß. Freilich fühle man sich als Leiter eines Knabenchors auch immer ein wenig wie Sisyphos, so Heiß weiter. Aufgrund des Stimmbruchs der Buben erneuert sich der Chor alle zwei Jahre.  Das Interesse an den Domspatzen ist nach wie vor groß. Höhepunkte sind Konzerte im In- und Ausland.  Ferner wird das das Erlernen eines Instrumentes angeboten. Unterstützt wird die Schulung der Stimme durch regelmäßige professionelle Stimmbildung. Im Freizeitbereich gibt es neben attraktiven Sportangeboten ein Hallenbad, das für die Jugendlichen ein besonderer Luxus ist.

Dank vom Kitzinger Rotary-Präsidenten Stegmann
Der Präsident des Kitzinger Rotary Clubs, Christian Stegmann, bedankte sich bei Christian Heiß für den detaillierten Vortrag. Er habe den Anwesenden auch mit vielen Fotos einen eindrucksvollen Einblick in das tägliche Leben der Domspatzen vermittelt. Zum Schluss der Veranstaltung übergab er an zwei soziale Akteure, das Antonia-Werr-Zentrums in St. Ludwig und San Egidio in Rom, eine Spende von insgesamt 15.000 Euro. Mit einem „Get-together“ klang die Soiree aus.

Text: Peter Schmitt
Fotos: Peter Schmitt / Christian Heiß  / Domspatzen