Exklusiv-Interview

Die neue Mädchen-Sparte der Regensburger Domspatzen stößt auf großes Interesse: Win-win-Situation erwartet / Journalist und Autor Karl Birkenseer führte ein exklusives Interview mit der Führungsriege der Domspatzen zu den Vorbereitungen auf das „neue Kapitel“ für Chor, Gymnasium und Internat.

In drei Jahren, 2025, werden die Regensburger Domspatzen 1050 Jahre alt. Kurz vorher, ab dem Schuljahr 2022/2023, wird dem traditionsreichen Knabenchor erstmals eine Mädchenchor-Sparte an die Seite gestellt – nun auch mit der definitiven Möglichkeit der Internatsaufnahme. Dieser historische Einschnitt ist Anlass für ein Interview mit den drei federführenden Verantwortlichen der Domspatzen-Stiftung: Domkapellmeister Christian Heiß (Chor), Schulleiterin Christine Lohse (Gymnasium) und Domvikar Rainer Schinko (Internat).

Die erste Frage geht an den Domkapellmeister: Das Projekt „Mädchen zu den Domspatzen“ steht sozusagen unter dem Motto „Gleichberechtigung, nicht Gleichmacherei“. Warum war es von vornherein klar, dass der Knabenchor bleibt und die Mädchen eine eigene Chorabteilung bilden?

Christian Heiß: Der Knabenchor hat in seiner Prägung, von seiner Zusammensetzung her Tradition. Seit fast 1050 Jahren sind wir als reiner Knabenchor geschätzt, werden dafür sogar geliebt. Es wäre mit Sicherheit unklug gewesen, diesen Markenkern ohne Not zu verwässern. Von daher war ganz klar: Der Knabenchor bleibt. Von anderen Dommusiken wissen wir aber, dass ein Mädchenchor neben einem Knabenchor bestens existieren kann. Jeder Chor hat seine eigene Charakteristik, sowohl klanglich als auch vom Repertoire her. Das ist etwas, das wir nun in der gleichen Weise tun wollen. So gesehen machen wir nach dem Vorbild anderer Dommusiken nun eine eigene Mädchenchor-Schiene auf.

Die Mädchen bekommen absolute Chancengleichheit.

Trotz der Zweigleisigkeit von Mädchen- und Knabenchor sollen auch die Mädchen vom breiten musikalischen Angebot des Hauses profitieren und sich mit den Traditionen eines katholischen Kirchenchors identifizieren. Was bedeutet das für die Chorarbeit im engeren Sinn, aber auch für Stimmbildung und Instrumentalunterricht?

Christian Heiß: Die Mädchen werden vom ersten Tag an so wie die Buben täglich proben. Das ist unser chorisches Gepräge, unser Tagesgeschäft. Sie werden auch aufgrund der Prägung eines Chors der Dommusik in der Hauptsache geistliche Chorliteratur erarbeiten – gleichstimmige Literatur. Da gibt es eine ganze Menge zu entdecken. Wie die Buben werden auch die Mädchen wöchentlich einmal Stimmbildungs- und Instrumentalunterricht genießen können. Damit lösen wir das Versprechen ein, das wir von Anfang an gegeben haben: die Mädchen bekommen hier absolute Chancengleichheit und genau dieselbe Förderung wie die Buben.

Die Mädchen werden bald zu hören sein.

Zu Jahresbeginn hieß es, im ersten Schuljahr würden wohl mehr als 15 Mädchen verschiedener Jahrgangsstufen an den Start gehen. Reicht diese Zahl an Sängerinnen schon aus, um bald als „Mädchenchor der Regensburger Domspatzen“ aufzutreten, oder ist mit einer längeren Anlaufphase zu rechnen?

Christian Heiß: Wenn es tatsächlich nur 15 Mädchen wären, dann wäre es schwierig, weil es ja Räume zu füllen gilt. Denken Sie allein an unseren Dom. Der ist mit 15 Mädchen nicht so leicht klanglich zu füllen. Aber wir können jetzt schon sagen, dass wir mindestens die doppelte Zahl erwarten können. Von daher sind wir sehr zuversichtlich, dass die Mädchen sehr schnell Erfolge haben werden. Da helfen die täglichen Proben vom ersten Tag an und auch die Tatsache, dass es bereits einige Mädchen unter ihnen gibt, die als Quereinsteigerinnen schon Singerfahrung und gut ausgebildete Stimmen haben. Ich bin zuversichtlich, dass die Mädchen bald zu hören sein werden. Es ist auch ganz wesentlich für das Selbstverständnis dieses Mädchenchors und für das Selbstbewusstsein der Mädchen an sich, bei täglichen Proben dann auch schnell präsent sein zu wollen.

Zwischenfrage: Über die Chorleitung ist ja mittlerweile entschieden. Wer hat das Rennen gemacht?

Christian Heiß: Unter gut einem Dutzend Bewerberinnen hat sich die 28-jährige Düsseldorferin Elena Szuczies durchgesetzt. Sie verfügt über eine hohe musikalische Qualität und hat trotz ihres noch jungen Alters schon viel Erfahrung in der Arbeit mit Mädchenchören.

Das ist doch ein sehr natürlicher Prozess.

Frau Lohse: Trotz des optimistischen Ausblicks von Christian Heiß nehme ich an, dass die Integration der Mädchen in den Schulbetrieb des Domspatzen-Gymnasiums weniger aufwändig sein wird als der Aufbau eines ganz neuen Chors. Wo sehen Sie dennoch Herausforderungen für Schulleitung und Lehrpersonal, wenn man bedenkt, dass es sich bisher um eine reine Jungenschule mit 265 Gymnasiasten handelt?

Christine Lohse: Für unsere Verwaltung wird es nichts Neues sein. Denn verwaltet wird nicht nach Geschlechtern, sondern nach Zahlen. Wenn wir nun wachsen, dann wird der Aufwand natürlich ein wenig größer, aber das wollen wir ja auch, unabhängig davon, ob nun Mädchen oder Jungen kommen. Pädagogisch sollte man im Blick haben, dass es bei uns Jungen gibt, die bislang in ihrer Kindheit vielleicht kaum oder nicht selbstverständlich Kontakt mit Mädchen hatten, zum Beispiel Buben, die keine Schwestern zuhause haben. Diese müssen wir sicher begleiten, weil Mädchen sich in bestimmten Situationen möglicherweise anders verhalten oder auch anders behandelt werden wollen.

Und Buben, die Schwestern haben?

Christine Lohse: Die sind den Kontakt mit Mädchen gewohnt. Die Mädchen selbst kommen meist aus einem gemischten Umfeld. Für sie ist es normal, in eine gemischte Schule zu gehen. Wir müssen allerdings schon immer im Blick haben, wie die Überzahl der Jungen an dieser Bubenschule im ersten Jahr wahrgenommen wird. Aber ehrlich gesagt: Erfahrungen aus anderen Schulen, die diesen Prozess auch durchgemacht haben, zeigen, dass es eigentlich keine großen Probleme gibt. Das ist doch ein sehr natürlicher Prozess.

Eigene Ansprechpartnerin als „Mädchen-Coach“

Wird die Begleitung dieses Zusammenwachsens eine pädagogische Aufgabe für alle Lehrerinnen und Lehrer sein, oder wird man am Anfang zusätzlich für das weibliche Element eine gesonderte Art der Begleitung schaffen?

Christine Lohse: Wir werden auf jeden Fall im Gymnasium einen „Mädchen-Coach“ installieren. Dafür vorgesehen ist eine junge Kollegin, die richtig Lust darauf hat, die Mädchen zu begleiten. Angedacht ist, dass sich unsere Mädchen in den ersten Wochen jeden Tag kurz in der Mittagspause treffen und dann auch die Themen besprochen werden können, die den Mädchen am Herzen liegen. Die Kollegin wird Ansprechpartnerin für alle Mädchen sein; so lange, bis es nichts mehr zu besprechen gibt und die Mädchen keine Begleitung mehr brauchen. Und: So eine eigene Ansprechpartnerin könnte es auch am Nachmittag in Tagesbetreuung und Internat geben. Wir sind da mit den Präfektinnen in ganz engem Kontakt. Die Mädchen sollen wissen: In ihrem Ankommen hier an einer bisherigen Jungenschule ist immer jemand da, der sich ihrer Sorgen und Themen annimmt, Themen, die wir vielleicht noch gar nicht im Blick haben.

Sie selbst, Frau Lohse, sind als allererste Frau an der Spitze des Domspatzen-Gymnasiums so etwas wie eine weibliche Vorhut. Freut es Sie, dass das weibliche Element mit dem Mädchenchor weiter gestärkt wird?

Christine Lohse: Ja, das freut mich sehr, in erster Linie für die Mädchen, weil die nun auch diese tolle Ausbildung bekommen. Das war ja bislang für Mädchen gar nicht erreichbar. Ich glaube, diese Institution bleibt auch deshalb einzigartig für ganz Deutschland. Für die Buben freut mich, dass sie ein Stück Normalität in ihr Leben bekommen, die sie bislang nicht haben konnten, weil das Gymnasium eben die Schule für den Knabenchor war. Ich selber finde diese neue „Normalität“ gut, was aber wenig damit zu tun hat, dass ich eine Frau bin, denn mein männlicher Vorgänger als Schulleiter wollte das ja auch schon. Da war die Zeit vielleicht noch nicht reif dafür. Unabhängig davon, ob man Mann oder Frau ist, freuen wir uns alle auf die ersten Mädchen nach 1047 Jahren.

Ich weiß, dass die Jungs sich schon freuen.

Herr Schinko: Weil Sie im Herbst eine neue Aufgabe als Priester übernehmen, ist es sozusagen Ihr letztes großes Projekt als Internatsdirektor, das Internat der Domspatzen für die Aufnahme von Mädchen vorzubereiten. Welche Anforderungen räumlicher, aber auch pädagogischer Art sind dabei zu beachten?

Rainer Schinko: Das Wichtigste ist, dass die Mädchen sich bei uns wohlfühlen, und zwar genauso wie die Jungs, die bei uns hier schon zuhause sind. Das heißt, sie sollen ein Zuhause finden, sowohl im Internat, aber auch am Nachmittag in der Tagesschule. Die große Herausforderung ist, dass jetzt Mädchen in bestehende Klassengemeinschaften hineinkommen als Quereinsteiger. Es kommen nicht nur Mädchen in die fünfte Klasse, sondern bis zur elften Klasse in fast alle Jahrgangsstufen. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine schöne Aufgabe, diesen jungen Damen den Einstieg zu erleichtern. Ich weiß, dass die Jungs sich schon vielfach darauf freuen, dass die Mädchen kommen. Insofern wird dieser Einstieg sicher ein guter werden.

Wie viele von den erwarteten 30 Mädchen werden das Internat in Anspruch nehmen?
 

Rainer Schinko: Das ist aktuell noch schwierig zu sagen. Aber gemessen an der Nachfrage könnten es schon auf Anhieb 15 bis 20 Mädchen werden, die bei uns im Internat wohnen werden.

Wie stellt sich die Wohnsituation für die neuen Internatsschülerinnen dar?

Rainer Schinko: Die Mädchen werden einen abgeschlossenen Wohnbereich für sich erhalten. Sie sind tagsüber, am Vormittag in der Schule, am Nachmittag in der Studierzeit, mit den Jungs zusammen – im Chor sind sie wieder separiert –, und am Abend kommen sie dann in ihren eigenen Wohnbereich. Sollte die Nachfrage auch im kommenden Jahr gut sein, wie sie sich aktuell abzeichnet, gehen wir davon aus, dass nach zwei Jahren dieser Wohnbereich in unserem sogenannten Rundbau zu klein wird. Dann wird es einen zweiten eigenen Wohnbereich für Mädchen im Mittel- und Oberstufentrakt geben.

Mädchen-Fußball und Jungen-Ballett

Wird dann bei Präfektinnen im Mädchenbereich berücksichtigt, dass es vielleicht andere Grundbedürfnisse gibt, als Jungs sie haben?

Rainer Schinko: Die Hälfte unserer Präfekten ist schon jetzt weiblich, insofern also auch prädestiniert für die Aufgabe im Umgang mit den Mädchen. Wir haben vor einem halben Jahr eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die das Kommen der Mädchen inhaltlich vorbereitet. Die wird auch weiter bestehen, wenn irgendwelche Dinge zu regeln sind. Auch im Internat wird es eine Mädchenbeauftragte geben, die als direkte Ansprechpartnerin für die Mädchen fungiert, so dass man da relativ frühzeitig wie ein Seismograph schon erkennen kann, wenn irgendwelche Bedürfnisse da sind, die wir nicht im Blick hatten.

Wie wird die pädagogische Betreuung der Mädchen im Internat sein?

Rainer Schinko: Nicht anders als bei den Jungs, aber natürlich sensibel für die je eignen Bedürfnisse und Wünsche von Jungen und Mädchen. Da binden wir die Kinder schon immer mit ein in die Konzeption dessen, was wir mit ihnen machen, wie wir miteinander Freizeit gestalten. Viele Dinge sind ja geschlechtsneutral. Ob man jetzt miteinander ins Theater geht, eine Nachtwanderung oder Schneeschuhwanderung macht, zum Skifahren fährt oder miteinander kocht: Da gibt es vieles, was die Jungs gerne machen und sicher auch Mädchen gerne machen. Ein Mädchen hat mich gefragt: „Kann man bei Ihnen auch Fußballspielen?“ Ja, selbstverständlich! Ein anderes Mädchen hat angeregt, ob man nicht eine Ballettgruppe aufmachen könnte. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass in dieser Ballettgruppe, so sie denn gegründet wird, auch ein paar Jungs mitmachen würden. Die Mädchen werden eine eigene Farbe in unser Internats- und Tagesschulleben bringen. Ich bin sicher, es wird für alle eine schöne Bereicherung und tut allen gut.

Haben Sie sich bei anderen gemischtgeschlechtlichen kirchlichen Internaten darüber erkundigt, wie gut das Miteinander weiblicher und männlicher Schüler funktioniert?

Rainer Schinko: Ich habe viele gemischte Internate angerufen und mit deren Leitern oder Pädagogen gesprochen, und das Erste, das mir aufgefallen ist: Da war die Verwunderung über die Frage groß, wie das Miteinander von Jungen und Mädchen funktionieren kann. Für die war das eine Selbstverständlichkeit. Für uns ist das aber nun definitiv etwas Neues. Die haben mit der Frage also zunächst wenig anfangen können, haben mich dann aber gerne auf bestimmte Dinge hingewiesen. Dass man eben beispielsweise in der Wohnsituation bei Mädchen einen separaten Bereich schaffen muss. Ansonsten ist es wie an einer normalen Schule: Für die Mädchen gibt es keinen eigenen Lehrplan, und insofern wird es auch im Miteinander, glaube ich, eine sehr gute und vielleicht in der Vielfalt noch ein bisschen größere Möglichkeit geben, miteinander Freizeit und das Leben im Internat zu gestalten.

Da werden sich manche schon strecken müssen.

Eine Zwischenfrage an Sie beide, Frau Lohse und Herrn Schinko. Es ist ja bekannt, dass Mädchen oftmals besser in der Schule sind als Buben: Schafft das eine vielleicht heilsame Konkurrenzsituation?

Christine Lohse: Das ist sicher belebend, und mir kommt auch schon zu Ohren, dass Buben sagen: „Wow, die Mädchen machen ja immer ihre Hausaufgaben, dann müssen wir das auch.“ Darauf antworte ich: „Ja, wunderbar!“ Da ist also möglicherweise ein kleiner pädagogischer Schub zu erwarten, den Lehrerinnen oder Lehrer vielleicht nicht so hinkriegen, sondern die Mädchen durch ihre Arbeitshaltung. Freilich ist das auch ein wenig Klischee-Denken, aber ich glaube schon, dass es etwas bewirkt. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass Mädchen, die Musik machen, noch einmal eine ganz spezielle Klientel sind. Da werden sich manche Buben schon ein bisschen strecken müssen, und das ist gut so.

Rainer Schinko: Auf der anderen Seite haben wir aber auch viele schulisch hervorragend begabte Jungs. Auch das sind Leuchttürme – da kann sich so manches Mädchen strecken müssen, wenn sie dem nacheifern möchte.

Es kann also eine klassische Win-win-Situation werden…

Christine Lohse: Wird es!

Eine Zukunft für „dieses besondere Biotop“

Herr Schinko, wenn Sie demnächst das Haus verlassen: Was geben Sie der Gemeinschaft der Domspatzen mit auf den Weg?

Rainer Schinko: Die Domspatzen sind in der deutschen Bildungs- und Musiklandschaft etwas ganz Einzigartiges. Dieses besondere Biotop in die Zukunft zu führen, das ist ein großes Gut – nicht nur für die Diözese Regensburg, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt, hier in Regensburg und bayernweit. Bei uns arbeiten über 140 Menschen zum Wohl der Kinder; daran, dass sie musikalisch zu Höchstleistungen befähigt werden, dass sie schulisch ein gutes Fortkommen haben, dass sie als Menschen einen Weg ins Leben hineinfinden, der für jeden Domspatzen individuell, aber doch auch geprägt aus dieser Zeit ist. Ich glaube, die Ehemaligen wissen davon ein Lied zu singen.

Welche Bedingungen braucht es, damit dieser Weg fortgesetzt werden kann?

Rainer Schinko: Wichtig ist, dass man nie das Ziel aus dem Auge verliert: Es geht nicht um die Institution, sondern um die Kinder, die hier singen, leben und lernen. Wichtig ist auch, dass man jeden Beitrag, den jeder Bereich in unserem Haus leistet, wertschätzt, und dass die Kommunikation zwischen Chor, Gymnasium und Internat gut funktionieren und immer neu nachjustiert werden muss. Die Wertschätzung, die man den Kindern entgegenbringt, muss sich auch in der kollegialen Wertschätzung untereinander widerspiegeln. In dieser Vielfalt der Bemühungen um Kinder und Jugendliche, so glaube ich, haben die Domspatzen durchaus eine gute Zukunft, und jetzt mit den Mädchen erst recht.

Anfragen bis aus Wilhelmshaven und Stuttgart

Zurück zu Domkapellmeister Heiß: Können Sie etwas darüber sagen, wie die regionale Zusammensetzung der künftigen Mädchengruppe ist? Kommen die Sängerinnen überwiegend aus dem Großraum Regensburg, aus Niederbayern und der Oberpfalz oder auch aus anderen Teilen Deutschlands?

Christian Heiß: Es stellt sich zumindest im Moment so dar, dass es ähnlich wie bei den Jungen ist: Ein großer Teil der Mädchen kommt aus Regensburg und Umgebung, aber eben nicht nur. Wir haben auch Anfragen bis aus Wilhelmshaven, Stuttgart, München oder Erlangen.

Eine Frage an alle: Nachdem das mediale Interesse am neuen Mädchenchor der Domspatzen riesig ist – welchen Schub erwarten Sie durch diesen historischen Schritt
– für das Gymnasium, Frau Lohse?

Christine Lohse: Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir jetzt von der 5. Klasse an ab dem ersten Jahr voll belegt sein werden. Bei den Jahrgängen drüber haben wir Kapazitäten – Quereinsteiger, die während der Schulzeit zu uns wechseln wollen, sind natürlich immer eine kleinere Zahl. Aber ich gehe davon aus, dass wir ab dem Schuljahr 2023/24 alle Jahrgänge von unten her vollmachen können und wahrscheinlich relativ schnell in die Situation kommen, dass wir uns die besten Bewerber aussuchen können.

– und für den chorischen Bereich, Herr Heiß?

Christian Heiß: Wenn das Haus voll wird, und das ist unsere große Hoffnung, haben wir die Chance, alle Chorgruppen in diesem Haus bestens aufstellen zu können. Wir werden dann weiterhin da mit dabei sein, wo wir gern sind: in der Champions League der Chöre.

– für das Internat, Herr Schinko?

Rainer Schinko: Auch das Internat wird von den Mädchen profitieren. Wir haben heuer mehr Interessentinnen, als wir in der Vergangenheit Aufnahmen an Internatsschülern in der fünften Klasse hatten. Das heißt: Auch der Fortbestand des Internats wird in seiner Zukunft durch die Aufnahme von Mädchen gesichert sein.

Ja, wir werden richtig aufblühen.

Christine Lohse: Ich bin optimistisch und voller Elan, dass wir nach den schweren Jahren mit der Missbrauchsdebatte und zuletzt der Pandemie in eine gute Zeit aufbrechen. Ja, wir werden richtig aufblühen.

Christian Heiß:Und eben auch bei den Buben wieder.

Christine Lohse: Ja, bei Buben und Mädchen.

Rainer Schinko: Das ist eine wichtige Tatsache, die sich aktuell zeigt: Durch die Aufnahme von Mädchen interessieren sich auch wieder mehr Jungen für die Domspatzen.

Christian Heiß: Das, was wir immer schon vermutet hatten, das tritt jetzt schneller ein, als wir es vielleicht selber erwartet haben. Es ist ja fast ein Hype.

Christine Lohse: Wir sind wirklich überwältigt. Dass sich Buben melden, weil die Mädchen kommen dürfen, weil die Schwester kommen kann, die sonst gar nicht bei uns aufgeschlagen wäre, das ist einfach toll. Insofern profitieren auch die Knabenchöre. Wunderbar.

Christian Heiß: Wunderbar, so ist es.

Die Mädchen werden ihren eigenen Sound finden.

Zum Schluss noch ein Blick mit dem Domkapellmeister in die Zukunft: Wo wird der Mädchenchor der Domspatzen in einigen Jahren stehen? Wie werden die Mädchen dann in den musikalischen Betrieb vom Domdienst über Konzerte bis zu Platten- und Fernsehaufnahmen integriert sein?

Christian Heiß: Die Mädchen werden selbstverständlich eigenständig Gottesdienste im Dom musikalisch gestalten. Sie werden in unseren Jahresplan der Chöre integriert sein und im Wechsel mit den Knabenchören diese Dienste übernehmen. Ich bin sicher, dass der Chor dann auch wie die Knaben ganz selbstverständlich und regelmäßig auf der Konzertbühne stehen wird. Der Mädchenchor präsentiert gleichstimmige Chormusik auf höchstem Niveau. So wie der Knabenchor seinen eigenen unverwechselbaren Klang hat, werden auch die Mädchen ihren Sound finden. Das jedenfalls ist meine Vision.

Interview: Karl Birkenseer