Der ehemalige Domspatz Benedikt Müller ist “Director of Academy” im erstaunlichsten Kunstkraftwerk der Welt. Ein leidenschaftlicher Kultur-Innovator über die Kunst, Menschen zu locken und relevante Themen zu setzen.

Ein bisschen außerhalb von München, genauer gesagt im beschaulichen Aubing, liegt das Bergson Kunstkraftwerk, eine Kulturstätte der ganz besonderen Art. Es beherbergt den wohl klügsten Konzertsaal Europas, mit großartigen Ausstellungen, Konzerten und interessanten Podiumsdiskussionen – ein Eldorado für Kulturliebhaber.

Christian und Michael Amberger, Besitzer der Allguth-Tankstellen, waren die Initiatoren des Bergson, das im April 2024 nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und Investitionen von geschätzten rund 80 Millionen Euro eröffnet wurde. Vorbei waren die Zeiten von wilden Rave-Partys im früheren Heizkraftwerk. Allein im ersten Jahr wurden 250 000 Besucherinnen und Besucher in den extravaganten Kulturtempel angelockt, in dem rund 200 Mitarbeitende beschäftigt sind. Sie sorgen täglich für ein Programm der Extraklasse.

Ein Mann der ersten Bergson-Stunde ist auch Benedikt Müller. Nach dem Abitur im Jahr 2007 bei Regensburger Domspatzen, deren Campus auch er liebevoll „Kaff“ nennt, studierte der heute 38-jährige in Ingolstadt Betriebswirtschaftslehrer und schloss 2010 mit dem Bachelor ab. Danach folgten sechs Semester Jurastudium, ehe er 2013 als geschäftsführender Gesellschafter ein Start-up im Lebensmittel-Online-Handel gründete. Seine große Liebe war und ist jedoch bis heute der Kunstmarkt. Deshalb absolvierte er 2020 noch einen Masterabschluss in Kulturmanagement.

„Es ist eine Herausforderung, die Spaß macht“
„Bevor ich im Bergson angefangen habe, war ich für das Auktionshaus Christie´s in Zürich, Karl & Faber Auktionshaus in München sowie als Head of Digital Collections bei Collecto in Potsdam/ München tätig“, sagt Müller. Danach lernte er Michael Amberger kennen und war von Beginn an vom Bergson-Projekt begeistert. Es ist nach dem französischen Philosophen und Naturwissenschaftler Henri Bergson benannt. Dort ist Müller seit der Eröffnung als Director of Academy zuständig für das komplette Programm der Podiumsdiskussionen sowie für weitere ausgewählte Veranstaltungen.

„Es ist eine Herausforderung, die Spaß macht, denn ich bin dafür verantwortlich, die Talking Heads selbst zu verpflichten. Dabei gehe ich den Speakern so lange auf den Wecker, bis sie kommen (lacht).“ Zuletzt standen der frühere Anchorman Ulrich Wickert, Gregor Gysi von den Linken, die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann oder auch Kardinal Reinhard Marx Rede und Antwort, um nur einige namhafte Talkgäste zu nennen“, sagte Müller.  In seinem Beruf profitiert er viel von seiner Zeit bei den Domspatzen: „Mein Kommunikationsgeschick habe ich schon in meiner Zeit als Regensburger Domspatz auf vielen Konzertreisen national und international gelernt. Das hat mir im weiteren Leben im Beruf und bei meinen Planungen immer geholfen.“

Neben Planung zählt Moderation zu seinen Aufgaben
An einem typischen Arbeitstag checkt er zunächst seine Mails, danach die Verkaufszahlen und überlegt sich dann mit seinem Team, welche Marketing-Aktionen sinnvoll sein könnten. Ferner ist er mit Journalistinnen und Journalisten im Austausch und plant die nächsten Veranstaltungen, die jetzt schon bis Januar 2027 vorliegen. Am 3. Juli wird es beispielsweise eine Podiumsdiskussion mit dem früheren Rom-Korrespondenten der ARD, Michael Mandlik, dem SZ-Journalisten Tobias Haberl und dem Papst-Biographen Peter Seewald zum Thema „Auslaufmodell: Katholische Kirche?!“ geben. Benedikt Müller wird sie moderieren. „Da wird so ein bisschen meine Domspatzen-Seele gestreichelt“, sagte er, der immer noch in München in der Gemeinde St. Kajetan ministriert und dort auch im Chor gesungen hat. Bisher kamen gut 400.000 Besucherinnen und Besucher zu den rund 1.500 Veranstaltungen im Bergson, zu Talkabenden, Konzerten, Day-Raves und Jazz-Highlights mit der hauseigenen Jazzrausch Bigband.

Während die Augsburger Domsingknaben und der Tölzer Knabenchor bisher schon ihre Visitenkarte abgegeben haben, gastierten „seine“ Domspatzen im Bergson allerdings noch nicht. „Das kommt mit Sicherheit noch“, ist Müller überzeugt, der vom aktuellen Klang unter Domkapellmeister Christian Heiß absolut begeistert ist. „Wir haben hier den klügsten Konzertsaal Europas, der mit dem System Vivace ausgestattet ist und den Saal akustisch in jeden beliebigen Raum verwandeln kann – vom Tonstudio bis zur Kathedrale.“ Das Elektra Tonquartier sei nicht nur der Klassik vorbehalten, sondern biete jeder Musikrichtung die perfekte Akustik.

Der Kontakt zu den Domspatzen ist nie ganz abgerissen. Noch heute fährt Müller, der ein großer Fan von Georg Ratzinger und auch von Roland Büchner gewesen ist, jedes Jahr in der Karwoche nach Regensburg, um im Dom bei den einzelnen Aufführungen mit seiner Familie live vor Ort zu sein.

„Habe viel von meiner Domspatzen-Zeit profitiert“
Gerne erinnert er sich an seine Reisen nach Südtirol, Japan, das unvergessene Konzert in der Sixtinischen Kapelle oder das Konzert in der Audienzhalle in Rom mit den Münchner Philharmonikern unter der Leitung von Christian Thielemann. „Das war einmalig, so etwas erlebe ich wohl nie wieder. Bei den Konzertreisen war ich täglich an einem anderen Ort mit Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Da habe ich meine kommunikativen Stärken ausgebildet. Ich habe viel von den Domspatzen profitiert und für mein späteres Leben gelernt.“ Ein großer Pluspunkt bei den Domspatzen sei der strukturierte Tagesplan und die Disziplin gewesen. Auch wenn es auch mal Sanktionen für ein Fehlverhalten gegeben habe, hege er überhaupt keinen Groll. Im Gegenteil: „Im Rückblick war es eine lässige Zeit mit vielen Freiheiten.“

Vorbei die Zeiten von wilden Rave-Partys im früheren Heizkraftwerk. Heute ist das BERGSON ein angesagter Kulturtempel und lockte bereits im ersten Jahr nach seiner Eröffnung 250 000 Besucherinnen und Besucher an. 

Fotos: Simon Haseneder / Benedikt Müller